Die Jungle World hat in der aktuellen Ausgabe ein Themenspezial zu Digitale Revolution und Sprache. Steht sich gut für eine progressive linke Zeitschrift moderne Themen aufzugreifen.
What The Fuck? Was ist bloß mit der Sprache los? Mit Handys und PCs kehren die Hieroglyphen zurück: Smileys, Buchstabenbilder, Kürzelsalat. Rechtschreibung? Grammatik? LOL! Was die »digital natives« simsen, chatten und twittern, versteht niemand außer ihnen selbst. Aber ist das überhaupt Kommunikation? Was zählt der Kuss per SMS? Droht jetzt: Gut N8 Abendland? Oder sind Chat-Kürzel Ausdruck geballter Kreativität? Alles über die Sprache in der Digitalen Revolution von der E-Mail bis zum Tweet.
Die Analyse im ersten Beitrag von Magnus Klaue fällt allerdings etwas Flach aus:
Zumindest in einem sind sich der Wissenschaftsbetrieb und die Webcommunity einig: SMS-Codes sind radikal subversive Kommunikationsformen. Wer etwas anderes behauptet, ist ein Bildungsbürger.
Viel interessanter ist da der Beitrag des Gespräch mit dem Linguist Torsten Siever der an der Universität Hannover lehrt und als Gründungsmitglied des linguistischen Forschungsprojekts sprache@web seit 1998 Sprachverhalten im Internet untersucht.
Im Web 2.0 wird Sprache oft nicht gerade normenkonform genutzt. Ist deshalb zu fürchten, die Normsprache des Dudens könnte dadurch Schaden nehmen?
Zunächst ist der Duden eigentlich nicht normativ, sondern nur ein Spiegel dessen, wie Sprache gebraucht wird – ihm liegen ja Untersuchungen des aktuellen Sprachgebrauchs zugrunde. Wir als Sprachteilnehmer bestimmen selbst, was im Duden steht. Natürlich hinkt der Duden dem aktuellen Sprachgebrauch immer hinterher, und die Rechtschreibfehler oder auch die häufige konsequente Kleinschreibung, wie man sie in der digitalen Kommunikation oft findet, bildet der Duden nicht ab. Aber dass sich etwa Kleinschreibung durchsetzt und dann auch eines Tages im Duden steht, ist nicht unmöglich – früher wurde ja schon einmal alles klein geschrieben.
Zur Evolution der Sprache schreibt Thomas Thiel auf FAZ.net
Wie fing der Mensch zu sprechen an? Und warum sollte man die Lautäußerungen von Tieren nicht als Sprache bezeichnen? Eine Berliner Tagung öffnet den Blick für die evolutionsgeschichtliche Betrachtung der Sprachentstehung – und für bleibende Aporien.