Ein weiterer grandioser Artikel von Krisentheoretiker Robert Kurz: Ökonomisches Paralleluniversum. Schade nur, dass er bei aller scharfsinnigen Kapitalismuskritik und seiner durchaus zutreffenden Kritik an new Economy und Internethype kein Verständniss für die emanzipativen und revolutionären Potentiale der neuen durch digitale Kommunikation und Internet hervorgebrachten gesellschaftliche Wandlungsprozesse aufzubringen vermag.
Die ideologisch und kulturell als »postmodern« sowie ökonomisch als »neoliberal« bezeichnete Epoche der Simulation geht ihrem schmählichen Ende entgegen. Ein spielerisches Verhalten zur Welt bricht sich an den harten materiellen Tatsachen. Auf der Ebene des fiktiven Kapitals hat der globale Finanzcrash bereits die verdrängte Wirklichkeit der substanziellen Kapitalverwertung unangenehm in Erinnerung gerufen. Dagegen scheint sich das technologische Paralleluniversum des Virtualismus, das vielfältige »Second Life« des Internet, eines munteren Daseins zu erfreuen. Von den 7 Milliarden Menschen sind gerade einmal 1,6 Milliarden »User«; die größte Population dieser Art stellt mit 298 Millionen China, was aber nur 22 Prozent der dortigen Bevölkerung ausmacht. In der globalen Öffentlichkeit nimmt die Debatte um das Internet einen überproportionalen Raum ein, als käme das reale Leben einer erdrückenden Mehrheit der Weltbevölkerung gar nicht mehr in Betracht. Dabei waren mit dem Dotcom-Crash um die Jahrhundertwende die Illusionen über die eigenständige Tragfähigkeit einer virtuellen Internet-Ökonomie bereits zusammengebrochen.







