Archive for Marxismus

29 Aug 2009

Robert Kurz: Ökonomisches Paralleluniversum

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Ein weiterer grandioser Artikel von Krisentheoretiker Robert Kurz: Ökonomisches Paralleluniversum. Schade nur, dass er bei aller scharfsinnigen Kapitalismuskritik und seiner durchaus zutreffenden Kritik an new Economy und Internethype kein Verständniss für die emanzipativen und revolutionären Potentiale der neuen durch digitale Kommunikation und Internet hervorgebrachten gesellschaftliche Wandlungsprozesse aufzubringen vermag.

Die ideologisch und kulturell als »postmodern« sowie ökonomisch als »neoliberal« bezeichnete Epoche der Simulation geht ihrem schmählichen Ende entgegen. Ein spielerisches Verhalten zur Welt bricht sich an den harten materiellen Tatsachen. Auf der Ebene des fiktiven Kapitals hat der globale Finanzcrash bereits die verdrängte Wirklichkeit der substanziellen Kapitalverwertung unangenehm in Erinnerung gerufen. Dagegen scheint sich das technologische Paralleluniversum des Virtualismus, das vielfältige »Second Life« des Internet, eines munteren Daseins zu erfreuen. Von den 7 Milliarden Menschen sind gerade einmal 1,6 Milliarden »User«; die größte Population dieser Art stellt mit 298 Millionen China, was aber nur 22 Prozent der dortigen Bevölkerung ausmacht. In der globalen Öffentlichkeit nimmt die Debatte um das Internet einen überproportionalen Raum ein, als käme das reale Leben einer erdrückenden Mehrheit der Weltbevölkerung gar nicht mehr in Betracht. Dabei waren mit dem Dotcom-Crash um die Jahrhundertwende die Illusionen über die eigenständige Tragfähigkeit einer virtuellen Internet-Ökonomie bereits zusammengebrochen.

14 Jul 2009

Lesetip linke Theorie: Anarchismus und Arbeiterbewegung

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Mal wieder eine Leseempfehlung in Sachen linker Theorie, diesmal über Anarchismus und Arbeiterbewegung mit dem Titel “Schicksahlsrauschen der Emanzipation” von Felix Klopotek auf der Jungle World  Nr. 21/2009. Der Anarchismus kritisierte die alte Arbeiterbewegung von links – und teilte dabei ihre Schwächen. Der Artikel ist eine Antwort auf den ebenfalls lesenswerten Beitrag von Magnus Klaues “Wie sich Völker bilden”

Der Unterschied zwischen Marxisten und Anar chisten besteht nicht in der Differenz, dass die einen den Staat »aufheben«, die anderen ihn »abschaffen« wollen. Dazu haben sich Marx und Engels in der »Deutschen Ideologie« in aller Klarheit geäußert: Die »Proletarier (müssen), um persönlich zur Geltung zu kommen, ihre eigne bisherige Existenzbedingung, die zugleich die der ganzen bisherigen Gesellschaft ist, die Arbeit, aufheben. Sie befinden sich daher auch im direkten Gegensatz zu der Form, in der die Individuen der Gesellschaft sich bisher einen Gesamtausdruck gaben, zum Staat, und müssen den Staat stürzen, um ihre Persönlichkeit durchzusetzen.« Das ist Bakunin in Reinform…

20 Apr 2009

Every Bank is a Bad Bank

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Du bist in der Krise. Dein Problem heißt Marktwirtschaft heißt es in einem schönen Artikel der Gruppe Krisis: Every Bank is a Bad Bank

Das Ansehen der Marktwirtschaft als der angeblich besten aller denkbaren Welten ist arg lädiert. Auch in den vermeintlich entwickelten Ländern beschert sie Millionen Menschen Perspektivlosigkeit, Sozialabbau und Arbeitslosigkeit. Die Finanz- und Wirtschaftskrise ist mit anderen Krisen des globalen Kapitalismus verwoben: Energie-, Umwelt-, Klima-, Hungerkrise und staatlicher Zerfall in großen Teilen der Welt. Widerstand gegen die Zumutungen der Weltmarktkrise ist dringend notwendig. Aber man sollte auch ihre Ursachen verstehen. Wenn schon Krise, dann wenigstens keine falsche Krisenanalyse. „Wir bezahlen eure Krise nicht!“ ist z.B. ein dummer Spruch. Als ob ein paar Menschen („ihr“) die Krise gemacht hätten. Viele glauben: „Es gibt eine vernünftige Wirtschaft mit moderaten Gewinnvorstellungen, aber ein paar gierige Manager und Spekulanten stürzen uns ins Unglück, weil sie den Hals nicht voll genug kriegen.“ Wenn es so einfach wäre, könnte man die Krise leicht in den Griff kriegen: Ein paar scharfe Gesetze erlassen und den einen oder anderen Manager in den Knast stecken. Solch billige Rezepte werden ja tatsächlich angepriesen. Aber die Erklärung der Krise mit „Gier“ ist ungefähr genauso intelligent wie die Erklärung der Arbeitslosigkeit mit „Faulheit“. Faulheit und Gier müssten urplötzlich um sich gegriffen haben, schließlich gab es ja mal viel weniger Arbeitslose und keine Krise. Viele – auch Linke – überbieten sich zusammen mit Politikern und Medien darin, den Ackermännern, Schaefflers&Co die Schuld in die Schuhe zu schieben. Wer an Bösewichter glaubt, stellt die Systemfrage nicht. Und umgekehrt.

Weiterlesen bei Krisis: Every Bank is a Bad Bank. Der Text liegt auch als Als Flugblatt (pdf) zum download vor.

Zum Weiterlesen

14 Apr 2009

Wallerstein: In 30 Jahren wird es keinen Kapitalismus mehr geben

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“In 30 Jahren wird es keinen Kapitalismus mehr geben” schreibt Ralf Streck auf Telepolis und zitiert damit den berühmten Soziologe Immanuel Wallerstein zum Thema der Systemkrise das Kapitalismus.

Der Soziologe Immanuel Wallerstein sagte früh den Zusammenbruch des Sowjetblocks voraus und prophezeit nun das Ende des Kapitalismus. Immanuel Wallerstein war der Einladung einer spanischen Universität in die Hauptstadt Madrid gefolgt. Im überfüllten Veranstaltungssaal des Museums Reino Sofia sprach er über die Krise des Kapitalismus. Dabei sagte der Theoretiker, der im Kalten Krieg das Ende des Sowjetblocks prophezeite, nun das Ende des Kapitalismus in den nächsten 30 Jahren voraus. Wallerstein spricht seit langen davon, dass wir uns am Ende der zweiten Phase eines Kondratieff-Zyklus befinden. Der Zusammenbruch des Kapitalismus werde real, weil negative Konjunkturzyklen mit einer Systemkrise zusammenfielen, in welcher der Kapitalismus aus dem Gleichgewicht gerate, weshalb eine “Phase des politischen Chaos” anstehe. Erklärte Wallerstein bisher meist allgemein, dass das derzeitige kapitalistische System nicht überleben kann, wurde er in einem Interview mit der französischen Zeitung “Le Monde” schon im vergangenen Oktober deutlicher. Die Lage für die Herrscher dieser Welt werde zunehmend “chaotischer und unkontrollierbarer”, erklärte er. Er sah einen Kampf aufkommen, und “zwar nicht nur zwischen Verteidigern und Gegnern des Systems, sondern auch unter allen Akteuren”, um zu bestimmen, welches System den Kapitalismus ablösen werde. Den Begriff “Krise” reserviert er ausdrücklich für eine derartige Situation. “Nun ja, wir befinden uns in der Krise, der Kapitalismus neigt sich dem Ende zu.”

In dem neuen Interview geht Wallerstein einen Schritt weiter und legt einen Zeitrahmen fest: “Wir können sicher sein, das wir in 30 Jahren nicht mehr in einem kapitalistischen Weltsystem leben.” Auf die Frage, welches System den Kapitalismus ablösen wird, hat er keine Antwort. “Es kann ein besseres oder schlechteres System sein, alle Möglichkeiten sind offen.” Als Spezialist des Nord-Süd-Konflikts sieht er darin den Dreh- und Angelpunkt. “Die Lösung finden wir, wenn der Konflikt zwischen dem Geist von Davos und dem Geist von Porto Alegre gelöst ist.”

14 Mar 2009

Hochkonjunktur linker Krisentheorien und Debatten

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Linke Krisentheorien und Debatten haben Hochkonjunktur. Mit einer  “Analyse aus weltsystemtheoretischer Sicht” beglückt uns Christian Frings: “Die Krise im Lebenszyklus des Kapitalismus”

Dass sich der Kapitalismus schon immer krisenhaft entwickelt hat, ist eine Banalität. Aus jeder Krise ist er gestärkt und als noch umfassenderes Weltsystem hervorgegangen. Aber so wie der Kapitalismus haben auch seine Krisen eine Geschichte. In was für eine Krise bewegen wir uns aktuell hinein und welchen Abschnitt markiert sie im Lebenszyklus des Kapitalismus? Rein empirisch gesehen deutet vieles darauf hin, dass diese Krise schwerer und tiefer werden wird, als wir es uns zurzeit vorstellen können. Vielleicht ist die von Mike Davis angeführte Anekdote von den ersten EuropäerInnen, die sich keine Vorstellung von der Tiefe des Grand Canyons machen konnten und verwirrt zurückschreckten, tatsächlich die einzige Möglichkeit, das begrenzte historische Vorstellungsvermögen zu umschreiben.

Mehr einer Innenansicht linker Politik gleicht Ingo Stützles Geschichte von klasse K(r)ämpfen: Linke Krise

Genosse Olaf Bernau kritisierte im letzten ak, dass die Krisenanalyse “ökonomistisch imprägniert” sei und die neoliberale Epoche “primär im Horizont einer bis heute andauernden Verwertungskrise des Kapitals rekonstruiert (werde) – ohne substanzielle Einbettung in gesamtgesellschaftliche Kräfteverhältnisse geschweige denn soziale Kämpfe”. Damit drohe bei der Analyse ein schiefes Gesamtbild, da der Neoliberalismus nicht als ein “eingefädeltes” (sic!) und zugleich “politisch umkämpftes Projekt” thematisiert werde. Die Fokussierung auf subalterne Kämpfe macht jedoch blind für die Herausforderungen linker Politik.

Mehr zum Thema: Finanzmarkt auf der ak-Sonderseite zur Finanzmarktkrise

“Der Steuerzahler wird letztendlich immer zur Kasse gebeten werden bei dem System, das wir haben. Wer soll denn sonst die Kosten tragen, wenn das System nicht stabil ist?” (Henry Paulson, US-Finanzminister)

09 Mar 2009

Krisenszenarien I, II, III

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Ich liebe die Krise, viele gute, interessante und intelligent geschriebene Beiträge befassen sich mit den Zumutungen des wahrenproduzierenden Systems, die Krise und deren Auswirkungen auf die kapitalistische Weltwirtschaft. Konzepte und Wörter wie “Entfremdung”, “Fetisch”, “Eigentum” und “abstrakte Arbeit” tauchen aus der Einsamkeit marxistischer Theoriebildung auf und werden wieder Salonfähig. Hier drei gute Beiträge beim Freitag, deren Analyse unterschiedlicher nicht sein könnte:

von Robert Kurz >> mehr
von Hermannus Pfeiffer >> mehr
von Werner Vontobel >> mehr
Jeder für sich lesenswert und zusammen ein Abbild linker Kontroversen zur Krise.

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