Ich hatte neulich schon auf die unglaublich spannende Debatte unter US Amerikanischen Intellektuellen
hingewiesen die der Literaturagent John Brockman mit der
Frage des Jahres 2010 anstieß: “Wie verändern Internet und vernetzte Computer die Art, wie wir denken?” Brockman, der einige der wichtigsten Wissenschaftler der Gegenwart zu seinen Autoren zählt, umkreist diese Vision auf
Edge.org mit hunderteinundzwanzig Antworten. Frank Schirrmacher ist es zu verdanken, die Debatte, wenigstens ansatzweise seiner deutschen Leserschaft der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zugänglich machte indem er einige herausragende Beiträge übersetzen lies.
Geoffrey Miller
Die revolutionärste Veränderung durch das Internet betrifft die Art und Weise, wie Entscheidungen getroffen werden. Ein dezentralisierter sozialer Prozess setzt sich an die Stelle des individuell gefällten Urteils, meint
Geoffrey Miller.
Nassim Taleb
Menschen konstruieren Theorien auf der Grundlage isolierter Nachrichten und machen sich zu „Narren des Zufalls“. Das Internet verstärkt diese Tendenz, es verwandelt die Welt durch die rasante Verbreitung von Informationen in ein Extremistan.
Nassim Taleb hat sich daher auf Internetdiätgesetzt.
Kevin Kelly
Wir merken uns heute weniger Fakten als früher, weil wir wissen, wie wir im Internet an sie herankommen. Unser Wissen wird dadurch prekärer. Zudem finden wir im Netz zu jeder Tatsache eine Gegentatsache. Alles, was wir heute lernen, unterliegt der Erosion durch Antifaktoren, meint
Kevin Kelly.
Gerd Gigerenzer
Das Internet stellt unsere kognitiven Funktionen davon, Informationen in unserem eigenen Kopf zu suchen, auf die Informationssuche außerhalb unseres Kopfes um. Es ist freilich nicht die erste Technologie, die das tut, meint
Gerd Gigerenzer - und fragt nur einmal am Tag seine Emails ab.
Nicholas Carr
Die wichtigste Funktion von Bibliotheken scheint mittlerweile zu sein, den Zugang zum Internet zu ermöglichen. Und diese Entwicklung wird sich noch beschleunigen, meint
Nicholas Carr.
Sam Harris
Es mag noch unklar sein, ob wir den neuronalen Code jemals knacken und unser Innenleben als Abfolge von Bits aus ihm herauslesen können. Aber auf jeden Fall gilt schon, dass wir nach und nach hochgeladen werden, meint
Sam Harris
Chris DiBona
Das Internet führt zur Vernachlässigung unseres Langzeitgedächtnisses. Der Google-Engineering-Manager
Chris DiBona glaubt jedoch nicht, dass es Menschen unwissender macht. Es verändere jedoch unsere Vorstellung von einzigartigenGedanken.
John Markoff
Das Netz verschärft und beschleunigt schlichtweg Gutes wie Schlechtes und wird faktisch zu einem Spiegel, in dem sich die Fantasien und Narreteien der Welt reflektieren, meint
John Markoff.