Archive for Technologiekritik

15 Feb 2010

Die Edge Debatte

Comments Off Medienkritik, Technologiekritik
Ich hatte neulich schon auf die unglaublich spannende Debatte unter US Amerikanischen Intellektuellen hingewiesen die der Literaturagent John Brockman mit der Frage des Jahres 2010 anstieß: “Wie verändern Internet und vernetzte Computer die Art, wie wir denken?” Brockman, der einige der wichtigsten Wissenschaftler der Gegenwart zu seinen Autoren zählt, umkreist diese Vision auf Edge.org mit hunderteinundzwanzig Antworten. Frank Schirrmacher ist es zu verdanken, die Debatte, wenigstens ansatzweise seiner deutschen Leserschaft der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zugänglich machte indem er einige herausragende Beiträge übersetzen lies.

Die Frage des Jahres 2010: Wie hat das Internet Ihr Denken verändert?

Geoffrey Miller

Wikipedia ist mein verlängertes Gedächtnis

Die revolutionärste Veränderung durch das Internet betrifft die Art und Weise, wie Entscheidungen getroffen werden. Ein dezentralisierter sozialer Prozess setzt sich an die Stelle des individuell gefällten Urteils, meintGeoffrey Miller. Nassim Taleb

Wir befinden uns in einer explosiven Situation

Menschen konstruieren Theorien auf der Grundlage isolierter Nachrichten und machen sich zu „Narren des Zufalls“. Das Internet verstärkt diese Tendenz, es verwandelt die Welt durch die rasante Verbreitung von Informationen in ein Extremistan.Nassim Taleb hat sich daher auf Internetdiätgesetzt. Kevin Kelly

Ich bin mir über gar nichts mehr sicher

Wir merken uns heute weniger Fakten als früher, weil wir wissen, wie wir im Internet an sie herankommen. Unser Wissen wird dadurch prekärer. Zudem finden wir im Netz zu jeder Tatsache eine Gegentatsache. Alles, was wir heute lernen, unterliegt der Erosion durch Antifaktoren, meint Kevin Kelly. Gerd Gigerenzer

Die Auslagerung des Geistes

Das Internet stellt unsere kognitiven Funktionen davon, Informationen in unserem eigenen Kopf zu suchen, auf die Informationssuche außerhalb unseres Kopfes um. Es ist freilich nicht die erste Technologie, die das tut, meint Gerd Gigerenzer - und fragt nur einmal am Tag seine Emails ab. Nicholas Carr

Tiefen und Untiefen

Die wichtigste Funktion von Bibliotheken scheint mittlerweile zu sein, den Zugang zum Internet zu ermöglichen. Und diese Entwicklung wird sich noch beschleunigen, meint Nicholas Carr. Sam Harris

Wir werden hochgeladen

Es mag noch unklar sein, ob wir den neuronalen Code jemals knacken und unser Innenleben als Abfolge von Bits aus ihm herauslesen können. Aber auf jeden Fall gilt schon, dass wir nach und nach hochgeladen werden, meint Sam Harris
Chris DiBona

Wenn ich reise, fotografiere ich nicht mehr

Das Internet führt zur Vernachlässigung unseres Langzeitgedächtnisses. Der Google-Engineering-Manager Chris DiBona glaubt jedoch nicht, dass es Menschen unwissender macht. Es verändere jedoch unsere Vorstellung von einzigartigenGedanken. John Markoff

Im Spiegel des Netzes

Das Netz verschärft und beschleunigt schlichtweg Gutes wie Schlechtes und wird faktisch zu einem Spiegel, in dem sich die Fantasien und Narreteien der Welt reflektieren, meint John Markoff.

14 Feb 2010

Jaron Lanier: You Are Not a Gadget

Comments Off Digitalkultur, Technologiekritik

Jaron Lanier’s You Are Not a Gadget has one of the more sobering prefaces to be found in recent books. “It’s early in the twenty-first century, and that means that these words will mostly be read by nonpersons,” it begins. The words will be “minced into anatomized search engine keywords,” then “copied millions of times by some algorithm somewhere designed to send an advertisement,” and then, in a final insult, “scanned, rehashed, and misrepresented by crowds of quick and sloppy readers.” Lanier’s conclusion: “Real human eyes will read these words in only a tiny minority of the cases.” My conclusion: Is that really such a bad thing?

Comment from a reader: Squeezing round humans into binary slots

Jaron Lanier is afraid that we humans are reducing ourselves to fit into a binary straitjacket. If we are blogging, twittering, and wikiing a lot, he asks, how does that change who we are? Or, If my audience is the ‘hive mind,’ then who am I? Lanier laments the increasing use of fragmentary, impersonal communication (e.g., anonymous blog comments, vapid video pranks, and mashups of popular culture). Such fragmentary communication, he says, demeans interpersonal interaction. He says the central mistake of recent digital culture is to chop up a network of individuals so finely that you end up with a mush. The abstraction of the network becomes more important than the real people who are networked. As a software designer and creator of virtual worlds, Lanier sees the root of dehumanization in the very binary character at the core of software itself. When scaled up, this binary foundation sets up rigid representations of human relationships. The most important thing to ask about any technology, he says, is how it changes people. For example, we cheapen the word ‘friend’ when we claim we have accumulated hundreds or thousands of ‘friends’ on Facebook. ”If we can’t reformulate digital ideals,” he argues, “we will have failed to bring about a better world. Instead we will usher in a dark age in which everything human is devalued.” Lanier says he hopes that his contrarianism will foster an alternative mental environment, where “the exciting opportunity to start creating a new digital humanism can begin.”

More Reviews, interviews, profiles:

Dr.Moira Gunn catches up with internet pioneer and author, Jaron Lanier to discuss his new book, You Are Not a Gadget…a Manifesto, where he discusses the technical and cultural problems that can grow out of poorly considered digital design and warns that our financial markets and sites like Wikipedia, Facebook, and Twitter are elevating the “wisdom” of mobs and computer algorithms over the intelligence and judgment of individuals.

Here is the interview as mp3

17 Jan 2010

Der elektronische Reporter zu Digital Rights Management

Comments Off Copyright, Digitalkultur, Technologiekritik, Video

Der elektronische Reporter widmet sich dem Thema Digital Rights Management (DRM): Digitale Entmündigung: Was Dir gehört, gehört Dir nicht

Elektrischer Reporter – Digitale Entmündigung: Was Dir gehört, gehört Dir nicht

Für Apples iPhone gibt es Unmengen nützlicher Zusatzprogramme, geschrieben von Profi- und Hobby-Programmierern in aller Welt. Aber welche die Kunden letztlich auf ihrem Telefon installieren dürfen, entscheiden nicht sie, sondern Apple. Passt dem Hersteller ein Programm nicht, bekommt es keine Zulassung fürs iPhone. „Für die Sicherheit der Kunden”, argumentiert Apple. „Zur Sicherung von Apples Geschäftsinteressen”, meinen Kritiker, denen solche geschlossenen Systeme ein Dorn im Auge sind. Das iPhone ist längst nicht das einzige digitale Gerät, bei dem der Hersteller sich Kontrollfunktionen einräumt – auch nach dem Verkauf, auch aus der Ferne. Besitzer von Amazons E-Book-Lesegerät “Kindle” erlebten, wie ihnen die Firma ein elektronisches Buch aus dem Speicher löschte, obwohl sie es ganz legal erworben hatten. Die Nutzer glauben also nur, sie hätten die komplette Verfügungsgewalt über ihre Geräte oder den den darauf laufenden Programmen und gespeicherten Inhalten. In Wirklichkeit bestimmen die Hersteller, was sie damit machen dürfen und was nicht. Kritiker warnen deshalb vor einer digitalen Entmündigung der Verbraucher. Und manche befürchten das verheerende Ende der kreativen Computer-Tüftel-Kultur, wenn Basteleien nur noch mit dem Segen des Herstellers möglich sind.

02 Oct 2009

Information feudalism and permanent rent in the cloud

Comments Off Digitalkultur, Kapitalismuskritik, Technologiekritik

Eine schöner Artikel von Michel Bauwens auf dem Blog der P2P-Foundation: “Information feudalism and permanent rent in the cloud“: Cory Doctorow’s editorial in the Guardian has an implicit warning. Cloud Computing may be the vehicle for extracting permanent financial rents, in a form of license-based feudalism. Cory also thinks it is unwise to rely on a corporate cloud in times of financial turbulence.

Information Feudalism is the thesis implicit in Jeremy Rifkin’s Age of Access that holds that we are entering a regime where the freedom of property makes place for the unfreedom of licensing, in effect placing limits on what we can do with the things we purchase, resulting in a new kind of capitalist serfhood.

Cory Doctorow: “Since the rise of the commercial, civilian internet, investors have dreamed of a return to the high-profitability monopoly telecoms world that the hyper-competitive net annihilated. Investors loved its pay-per-minute model, a model that charged extra for every single “service,” including trivialities such as Caller ID – remember when you had to pay extra to find out who was calling you? Imagine if your ISP tried to charge you for seeing the “FROM” line on your emails before you opened them! Minitel, AOL, MSN — these all shared the model, and had an iPhone-like monopoly over who could provide services on their networks, and what those service-providers would have to pay to supply these services to you, the user.

27 Aug 2009

FSF Kampagne: windows7sins

Comments Off Copyright, Digitalkultur, Technologiekritik

Die Free Software Foundation hat eine neue Kampagne gegen die Monopolstellung von Microsofts Betriebssystemen und aktuell gegen Windos 7 gestartet: windows7sins.org

Dort werden Mircroshoft die üblichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen:

  • Vergiftung der Lehre
  • Einbruch in die Privatheit
  • Monopolistisches Verhalten
  • Aussprerren alter Hardware
  • Misbrauch von Standards
  • Verbreitung von DRM und Klüngelei mir den big playern der Music/Videoindustrie
  • Bedrohung der Sicherheit

20 Jul 2009

Made in Germany: Exportgut Regiemesicherheit

2 Comments Demokratie, Repression, Technologie, Technologiekritik, Überwachung

Wenn es um totalitäre Regime geht, die ihre Bürger überwachen, in denen keine Pressefreiheit existiert und in denen Zensur an der Tagesordnung ist, denken natürlich immer alle an Nordkorea, China oder den Iran. Das die dafür eingesetzte Technologie aber aus Deutschland und anderen westlichen “Demokratien” kommt weiß fast niemand. Es ist beunruhigend und beschämend für eine Demokratie, dass wir diesen Regimen die technischen Mittel liefern ihre Bevölkerungen zu unterdrücken und auszuspionieren.

Viel erschreckender ist aber doch die Tatsache, dass z.B durch die Vorratsdatenspeicherung, die online Durchsuchung, das Telekompaket, oder die geplanten Internetfilter wir uns mit unserer Demokratie selbst in Richtung eines totalitären Überwachungsstaates entwickeln.

Aus aktuellem Anlass der Hinweis auf zwei Artikel, die sich mit dem Export solcher Technologie in autoritäre Staaten befassen. Thomas Ewald erinnert in seinem Artikel an…

Die Cebit in Hannover 2001 war etwas ganz Besonderes – zumindest aus heutiger Sicht. Denn in Halle 3, am Stand 20c präsentierte die Münchner Firma Siemens Networks ihre neueste Errungenschaft: den »Smartfilter«. Dabei handelte es sich um Software, die an eine Datenbank gekoppelt ist und bestimmte Internet-Adressen filtert, in Kategorien einteilt und gegebenenfalls sperrt. Vergleicht man das Vorgehen des alten Smartfilters und der Deep Package Inspection mit einem korrupten Postboten, so gibt im Fall des Smartfilters der Postbote nur Absender und Adressat der Briefe preis. Im Falle der Deep Package Inspection öffnet der Briefträger den Brief und liest ihn, ohne dass Empfänger oder Absender davon Kenntnis nehmen, um die Inhalte weiterzugeben. Die Deep Package Inspection ermöglicht Orga nisationen, seien es Konzerne oder Staaten, also ganz neue Möglichkeiten im Vergleich zum alten Filtersystem.

Weiter schreibt Thomas Ewald auf der Jungle World: Exportgut Regiemesicherheit

Im Iran und in China wird das Internet rigide kontrolliert. Die Technologien dafür kommen unter anderem aus Deutschland, aus Schweden, aus den USA. IT-Konzerne aus dem Westen produzieren Software für die »Schaffung einer positiven, produktiven Webkultur in jeder Organisation« – sei das nun ein mittelgroßer Konzern, China oder die Islamische Republik Iran.

Und auf Heise lesen wir zum Thema: Iran verschärft Internetkontrolle

Nach den Protesten, die auf die Präsidentenwahl folgten, und aufgrund der anhaltenden Konflikte, die bis in die politische und religiöse Elite hineinreichen, war abzusehen, dass die Machthaber im Iran die Zensur und Überwachung der Medien weiter anziehen werden. Auf die Schnelle wurde jetzt ein Gesetz im Parlament durchgepeitscht, vom Wächterrat gebilligt und dessen Umsetzung durch eine Eilanordnung vom umstrittenen Präsidenten Ahmadinedschad beschleunigt, das angeblich Cyberkriminalität bekämpfen und die Internetnutzer besser schützen soll. So begründete Generalstaatsanwalt Qorban-Ali Dorri-Najafabadi das Gesetz mit dem Schutz der Rechte der Menschen und der Stärkung des Datenschutzes.

25 May 2009

Der Krieg im 21. Jahrhundert wird von Maschinen bestimmt

1 Comment Kybernetik, Technologiekritik

Ein hervorragender Artikel für die Zeit greift Werner Pluta das Thema “cyber war” auf und stekllt dabei auch das Buch Wired For War des  US-Politologe Peter W. Singer über dessen Vortrag bei TED ich neulich berichtet habe: TED Talks: Military robots and the future of war. Der Artikel Roboter revolutionieren den Krieg von Werner Pluta ist hoch komplex und sehr lesenswert.

Kampfroboter sind kein Science-Fiction mehr. In Kriegen verändern sie längst das Gefecht: Das Töten werde emotionsloser, sagt der US-Politologe Peter W. Singer Während wir davon träumen, dass Roboter in der Zukunft ferne Planeten erforschen oder uns im Haushalt zur Hand gehen, ist aus Science-Fiction klammheimlich Science-Reality geworden. Denn die Roboter sind bereits da, sie haben einen anderen Bereich erobert: das Schlachtfeld. “Das ist eine revolutionäre Technologie – eine Technologie, die die Spielregeln neu definiert”, sagt Peter Singer. Er ist Leiter der 21st Century Defense Initiative beim Thinktank Brookings Institution in der US-Hauptstadt Washington. Im Wahlkampf von US-Präsident Barack Obama war er Koordinator für Verteidigungspolitik. Neuerungen hat es in der Militärtechnik immer wieder gegeben: Langbogen und Schießpulver vergrößerten die Reichweite, Maschinengewehre erhöhten die Schussfolge, die Atombombe brachte nie gekannte Sprengkraft. Doch diese Neuerungen haben laut Singer nur verändert, wie Krieg geführt wird. Die Roboter aber veränderten, wer Krieg führe. “5000 Jahre lang hatten Menschen das Monopol, Kriege zu führen.” Dieses Monopol sei gefallen. Der Krieg im 21. Jahrhundert wird von Maschinen bestimmt. Dabei sei es unwichtig, so Singer, ob sie von Menschen gesteuert werden oder autonom agieren. Roboter seien künstliche Systeme, die wahrnehmen, denken und handeln können, erklärt er und beruft sich auf den deutschen Robotiker Sebastian Thrun, der mit dem Team der Stanford Universität 2005 die Darpa Grand Challenge gewann. “Wahrnehmung bedeutet, das System muss in der Lage sein, Informationen über das, was in der Welt vorgeht, zu sammeln. Denken heißt, es muss auf der Basis dieser Informationen Entscheidungen fällen, die der Umgebung angemessen sind. Handeln schließlich heißt, es muss in der Lage sein, einen Wandel in der Welt hervorzurufen.”

20 May 2009

Jeff Jarvis about his Book: What Would Google Do?

Comments Off Digitalkultur, Technologiekritik, Video, web2.0

Robin Wauters of TechCrunch fame yesterday did an interview with the indisputable star of the next conference, Jeff Jarvis about his book – What Would Google Do? – and his views on the traditional media industry and their current struggles.

Video Interview: Jeff Jarvis at Next09 from Plugg Conference on Vimeo.

23 Apr 2009

TED Talks: How technology’s accelerating power will transform us

Comments Off Kybernetik, Technologie, Technologiekritik

TED Talks – Ray Kurzweil: How technology’s accelerating power will transform us

About this talk

Inventor, entrepreneur and visionary Ray Kurzweil explains in abundant, grounded detail why, by the 2020s, we will have reverse-engineered the human brain and nanobots will be operating your consciousness.

About Ray Kurzweil

Ray Kurzweil is an engineer who has radically advanced the fields of speech, text, and audio technology. He’s also one of our finest thinkers, revered for his dizzying — yet convincing –… Full bio and more links

22 Apr 2009

TED Talks: Military robots and the future of war

Comments Off Kybernetik, Technologie, Technologiekritik

Bleiben wir beim Thema “künstliche Intelligenz” diesmal mit der aktuellen auch sehr interessanten Frage nach der Zukunft von AI  – Artificial Intelligence – und Robotik im Zusammenhang mit Militärrobotern und den Kriegen der Zukunft. Ich habe ja schon öfters Schleichwerbung für die TED Talks gemacht und mache es auch gerne noch mal, denn die TED Talks sind für mich eine wunderbare Quelle an hochwertigen Debatten zu wichtigen sozialen, politischen und philosophischen Themen. Am meisten Spaß machen die TAD Talks auf dem kostenlosen open source Video Player und Torrent Client Miro

TED Talks: P.W. Singer on Military robots and the future of war

About this talk

In this powerful talk, P.W. Singer shows how the widespread use of robots in war is changing the realities of combat. He shows us scenarios straight out of science fiction — that now may not be so fictitious.

About P.W. Singer

In P.W. Singer’s most recent book, “Wired for War,” he studies robotic and drone warfighters — and explores how these new war machines are changing the very nature of human conflict. He has… Full bio and more links

Featuring YD Feedwordpress Content Filter Plugin