“Boredom is always counterrevolutionary. Always.” Guy Debord

Cologne Commons: Kopieren erwünscht!

Posted: May 16th, 2009 | Author: | Filed under: Commons, Digitalkultur, Termine | Tags: , , | Comments Off

Cologne Commons – Erstes Musikfestival für freie Musikkultur am 12. und 13. Juni in Köln.

Die Cologne Commons versteht sich als Plattform für freie Musik, Netlabels und Künstler. Während die Konferenz in Workshops und Diskussionen Wissen an Künstler vermittelt, stellt der Konzertteil junge, engagierte und im Internet erfolgreiche Musiker und Netlabels vor. Den Fokus richtet die Cologne Commons zielgenau auf die Möglichkeiten und Chancen des Webs. In Theorie und Praxis beweist die Cologne Commons, dass das Internet eine außergewöhnliche Plattform für junge und unbekannte Künstler ist und demonstriert die neuen Vorteile des Mediums anstelle es zu verteufeln.

Das wird spannend und unterhaltsam zugleich werden. Hier die Pressemitteilung. Mehr bei iRights.info.

Wann: 12. und 13. Juni
Wo: Kölln

Lawrence Lessig in Berlin: Copyright Wars

Posted: May 9th, 2009 | Author: | Filed under: Commons, Copyright, Digitalkultur, Termine | Tags: , , , | 1 Comment »

Im Rahmen der “Spielstand” Kooperation zwischen der Heinrich-Böll-Stiftung und den Sophiensaelen gibt es nächsten Freitag ein ganz besonderes highlight: Vergnügen und Unbehagen an der digitalen Kultur: Copyright Wars

Derzeit vergeht kaum ein Tag, an dem nicht der Untergang des Abendlandes beschworen wird. Aufgeschreckt durch den schwedischen PirateBay-Prozess und das Scan-Projekt von Google verstricken sich juristische Laien in den Feuilletons, betroffene Kulturschaffende und VertreterInnen der Content-Industrien in eine lautstarke Debatte zur Zukunft des Urheberrechts. Dabei nimmt die Frontstellung zwischen den BefürworterInnen einer digitalen Tauschökonomie und den AnwältInnen eines Schutzes von geistigem Eigentum Züge eines ideologisch verbohrten Kulturkampfes an. Unterschiedliche Sozialisationsmuster und Interessen scheinen eine Verständigung zwischen beiden Lagern unmöglich zu machen. Dabei liegen schon längst pragmatische Vorschläge auf dem Tisch, wie die gewandelten Konsumptions- und Produktionsbedingungen im Internet durch neue Verkehrsformen abgebildet werden könnten. So soll etwa eine Kulturflatrate den Zugang zu Tauschbörsen entkriminalisieren und gleichzeitig die Vergütung von Kreativen gewährleisten. Prof. Lawrence Lessig, Gründer der Creative-Commons-Initiative und Vordenker der Urheberrechtsevolution, versucht in einer Spezialausgabe der Reihe SPIELSTAND (www.boell.de/spielstand), die amerikanischen Erfahrungen mit den Copyright Wars für die europäische Debatte nutzbar zu machen.

Vortrag und Diskussion mit Prof. Lawrence Lessig in englischer Sprache Moderation: Matthias Spielkamp

Wann: 15. Mai um 19 Uhr
Wo: Sophiensaele, Sophienstr. 18, 10178 Berlin

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“Spielstand” heißt die Kooperation zwischen der Heinrich-Böll-Stiftung und den Sophiensaelen. Vier Mal im Jahr werden in der offenen Diskursplattform Fragen aus der ästhetischen Praxis mit politischen Debatten konfrontiert.

Zur Person: Lawrence Lessig (www.lessig.org) ist Verfassungsrechtler an der Stanford Law School und ein Guru der internationalen Netzgemeinde. Er ist ein entschiedener Kritiker eines restriktiven Copyrights im Bereich immaterieller Güter. Lessig entwickelte das Konzept einer „freien Kultur“ und unterstützt die kollaborative Arbeit an Software durch die Open-Source-Bewegung. Außerdem gründete er die Creative-Commons-Initiative und ist Mitglied der Electronic Frontier Foundation. Sein letztes Buch „Remix: Making Art And Commerce Thrive In The Hybrid Economy” (2008) ist ein flammendes Plädoyer für ein radikales Neudenken von künstlerischer und wirtschaftlicher Praxis vor dem Hintergrund gewandelter medientechnologischer Bedingungen. “Lessig’s proposals for revising copyright are compelling, because they rethink intellectual property rights without abandoning them.” (The New Yorker)

Freier Download unter: www.bloomsburyacademic.com/remix.htm


Google: Im Besitz des Wissens

Posted: April 15th, 2009 | Author: | Filed under: Commons, Copyright, Demokratie, Digitalkultur | Tags: , , | Comments Off

Google digitalisiert die Bücher dieser Welt und macht sie in digitaler Form tendenziell allen Menschen mit einem Internetanschluss zugänglich. Was wie die Verwirklichung des Ideals der Aufklärung klingt hat allerdings den Schönheitsfehler, das es nicht die Gesellschaft ist die demokratisch verfasst über ihren Reichtum an wissen verfügt sondern ein privatwirtschaftliches Unternehmen das dem Paradigma der Profitmaximierung verpflichtet ist und nicht dem Gemeinwohl.

In einem hervorragenden Artikel stellt Robert Darnton die Digitalisierung von Büchern durch Google in einen Zusammenhang mit den Idealen der Aufklärung und stellt die entscheidenden Fragen nach der Verfasstheit und dem Zugang zu Wissen. Sehr schön geschrieben, sehr lesenswert: Im Besitz des Wissens

Von der Gelehrtenrepublik des 18. Jahrhunderts zum digitalen Google-Monopol

Wie eine gigantische Informationslandschaft tut sich das Internet vor unseren Augen auf. Und seit sich Google im Herbst letzten Jahres mit den Autoren und Verlegern, die die große Suchmaschine wegen Urheberrechtsverletzung verklagt hatten, auf einen Vergleich geeinigt hat, stellt sich die Frage nach der Orientierung im World Wide Web mit neuer Dringlichkeit. Während der letzten vier Jahre hat Google Millionen von Büchern, darunter zahllose urheberrechtlich geschützte Werke, aus den Beständen großer Forschungsbibliotheken digitalisiert und für die Onlinesuche ins Netz gestellt. Autoren und Verleger machten dagegen geltend, dass die Digitalisierung eine Copyrightverletzung darstelle. Nach langwierigen Verhandlungen einigte man sich auf eine Regelung, die gravierende Auswirkungen darauf haben wird, wie Bücher den Weg zu ihren Lesern finden. All jene, die Verantwortung für Forschungsbibliotheken tragen, haben ein klar umrissenes, gemeinsames Ziel: Wir wollen unsere Sammlungen öffnen und sie überall und für alle zugänglich machen. Erreichen werden wir das nur, wenn wir wachsam bleiben: möglichst weit vorausschauen, und, während wir die Augen auf die Straße richten, ab und zu in den Rückspiegel blicken. Wenn ich zurückschaue, fällt mein Blick auf das 18. Jahrhundert, die Aufklärung, auf ihren Glauben an die Macht des Wissens, und auf die Welt der Ideen, in der sie sich bewegte – kurzum, auf das, was die Aufklärer Gelehrtenrepublik nannten. Das 18. Jahrhundert dachte sich die Gelehrtenrepublik als ein Reich ohne Polizei, ohne Grenzen und ohne Ungleichheiten, es sei denn die der unterschiedlichen Begabung. Jeder würde teilnehmen können, der sich der beiden wichtigsten staatsbürgerlichen Tugenden befleißigte: Schreiben und Lesen. Die Autoren brächten ihre Ideen zu Papier, und die Leser würden sie beurteilen. Dank der Macht des gedruckten Wortes würden sich diese Beurteilungen in immer weiteren Kreisen verbreiten und am Ende würde das bessere Argument obsiegen. … und weiter … Es hätte auch anders kommen können. Wenn man auf die Geschichte der Digitalisierung seit den 1990er-Jahren zurückblickt, erkennt man heute, dass eine große Chance vertan wurde. Der US-Kongress und die Library of Congress oder auch ein großer Zusammenschluss von Forschungsbibliotheken und Stiftungen hätten dasselbe Projekt bei überschaubaren Kosten ebenfalls bewerkstelligen und dabei das Interesse der Allgemeinheit an die erste Stelle setzen können. Durch eine Aufteilung der Kosten hätten Autoren und Verleger ihre Lizenzeinkünfte bekommen, während der Zugang zu den Textarchiven frei zugänglich oder gegen eine erschwingliche Gebühr gewährleistet geblieben wäre. Wir hätten eine digitale Nationalbibliothek schaffen können – ein dem 21. Jahrhundert entsprechendes Gegenstück zur Bibliothek von Alexandria. Aber die öffentlichen Institutionen haben die Chance verschlafen – und derweil ergriff Google die Initiative und fing einfach an, die Bücher einzuscannen. Es mag eine unbeabsichtigte Nebenwirkung sein, aber Google hat jetzt ein Monopol, nicht auf Eisenbahnen oder Stahl, sondern auf den Zugang zu Informationen. Es gibt keinen einzigen ernstzunehmenden Konkurrenten. Microsoft hat vor einigen Monaten sein Großprogramm zur Digitalisierung von Büchern aufgegeben, und andere Unternehmen wie Open Knowledge Commons (ehemals Open … und weiter … Die Verfechter des freien Marktes werden einwenden, dass der Markt sich selbst reguliert. Wenn Google zu viel verlangt, werden die Kunden ihr Abonnement kündigen, und Google muss den Preis wieder senken. Doch bei den institutionellen Lizenzen besteht gar keine direkte Verbindung zwischen Angebot und Nachfrage. Die Studierenden, Mitglieder der Fakultäten und öffentlichen Bibliothekare bezahlen das Abonnement ja nicht aus eigener Tasche. Das Geld kommt aus dem Bibliotheksetat, und wenn der für die Fortsetzung des Abonnements nicht ausreicht, werden die Nutzer, die sich längst an die Google-Dienstleistung gewöhnt haben, Protest anmelden. Um das zu vermeiden, werden die Bibliotheken anderswo sparen und zum Beispiel wie seinerzeit wegen der Fachzeitschriften weniger Bücher anschaffen. Fest steht, dass die Vereinbarung vom Herbst letzten Jahres die digitale Welt verändern wird, weil sie die Macht an eine einzige Firma abtritt. Mit Ausnahme von Wikipedia kontrolliert Google bereits heute einen Großteil der online abgefragten Informationen. Neben dem ursprünglichen “Big Google” haben wir Google Earth, Google Maps, Google Images, Google Labs, Google Finance, Google Arts, Google Food, Google Sports, Google Health, Google Checkout, Google Alerts. Weitere Google-Unternehmen sind in der Mache. Google Book Search verspricht zur größten Bibliothek und zur größten Buchhandlung zu werden, die je existierten. Wer weiß, ob uns das dem Traum der Aufklärung näher bringen wird.

“Wissensallmende Report 2009 – Wem gehört die Welt”

Posted: March 28th, 2009 | Author: | Filed under: Commons, Digitalkultur | Tags: , | Comments Off

Das Netzwerk freies Wissen hat den “Wissensallmende Report 2009 – Wem gehört die Welt” veröffentlicht. Auf deren Webseite heißt es:

Der Report bietet in verständlicher Sprache und mit vielen Ilustrationen einen fundierten Einstieg in das komplexe Thema Wissensallmende.

Wissensallmende Report 2009 from netzwerk freies wissen on Vimeo.

Auf Keimform schreibt Christian Siefkes im Artikel: Gemeingüter-Buch erschienen – Buchvorstellung am Montag

Das von Silke Helfrich editierte Buch »Wem gehört die Welt? Zur Wiederentdeckung der Gemeingüter« ist jetzt erschienen. Die Buchvorstellung fand am Montag, 23. März um 19.30 Uhr in der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin statt. Das komplette Buch kann man im Buchhandel (z.B. bei Amazon), beim Verlag oder bei der Heinrich-Böll-Stiftungkomplett als PDF herunterladen. Die Netzausgabe wird unter den Bedingungen der Creative Commons BY-NC-ND-Lizenz zur Verfügung gestellt, erlaubt ist also nur die unkommerzielle Weitergabe ohne Veränderungen. bestellen; man kann es auch

Einen schönen Artikel passend zum Thema von Steffan Meretz: Manifest zur Wiedergewinnung der Gemeingüter

Das Weltsozialforum 2009 in Belém do Pará, Brasilien, hat das nachfolgend dokumentierte Manifest beschlossen. Es soll Grundlage für eine globale Kampagne zur Verteidigung und Wiederaneignung der Gemeingüter werden. Die Unterzeichner des Aufrufs schlagen vor, folgende Plattformen zur Mitarbeit und Diskussion zu nutzen. benscomuns.org, bienscommuns.org, bienescomunes.org, commons-campaign.org, gemeingueter.org.

Den selben Text gibte es beim CommonsBlog in englischer Version


Das reaktionäre Denken der Bestitzstandswahrung

Posted: March 25th, 2009 | Author: | Filed under: Commons, Digitalkultur | Tags: , , , | Comments Off

Es ist schon komisch welch sonderbare Blüten die Auseinandersetzung um die von Google betriebene massenhafte Digitalisierung von geschriebenem Wort treibt. Bei den Perlentauchern schreibt Matthias Spielkamp: Open Excess: Der Heidelberger Appell

Verleger und Autoren wehren sich auf Initiative des Heidelberger Professors Roland Reuß gegen eine “Enteignung” durch Google und Open Access. Ihre Argumentation ist haarsträubend, voller Fehler und gefährlich. Roland Reuß hat einen Lauf. Am 11. Februar hatte der Philologe und Professor für neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Heidelberg in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung eine Polemik veröffentlicht, in der er großen deutschen Wissenschaftsorganisationen, allen voran dem Wissenschaftsrat und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) eine “heimliche technokratische Machtergreifung” (so der Titel) unterstellte.

Update – weitere Artikel zum Thema:

Bei Netzpolitik beschreibt Markus Bekedahl die merkwürdigen Stilblüten, zu denen das Thema bei einem linken Leitmedium wie der Taz führt: Open Access in der Taz

In der Taz versucht sich Rudolf Walther an einer fundamentalen Kritik an der Digitalisierung von Büchern durch Google: Open Enteignung. Leider verwechselt der Autor dabei so einiges und schafft es zum Schluss sogar, die Bestrebungen von Google und der Open Access Bewegung mit den Piraten vor Somalia in Verbindung zu bringen: “Die Google-Piraterie und der “Open-acces”-Schwindel sind gefährlicher als die Piraterie entlang der somalischen Küste”

Weiter Artikel zum Thema:


5. Politischen Salon “Zeit für Allemende”

Posted: March 5th, 2009 | Author: | Filed under: Commons, Demokratie, Kapitalismuskritik, Podcast, Termine | Tags: , , | Comments Off

Am 19. Februar fand in Berlin das fünfte und vorletzte interdisziplinäre politische Salongespräch “Zeit für Allmende” der Heinrich-Böll-Stiftung statt. Unter dem Titel „Wem gehört das Saatgut, wem das Wissen? Commons und Eigentum“ diskutierte der Salon eine Reihe von Thesen zu Commons und Eigentum.

Den Ausgangspunkt der Debatte bildete die These, wonach keine spezifische Eigentumsform per sé ist Garant für einen nachhaltigen und transparenten Umgang mit Gemeingütern darstellt. Die gesellschaftliche Verfügungshoheit über Commons muss immer wieder neu konstituiert und erstritten werden. Und sie ist immer sehr konkret von der Sache oder Ressource abhängig, um die es geht. Wie sind also Zugangs- und Nutzungsrechte an Wasser und Genen, an Wissen und Software so zu gestalten, dass Menschenrechte sowie sozialer Ausgleich gewährleistet und Monopolrenten Einzelner verhindert werden?

Mehr zum Thema auf dem Commonsblog zum Politischen Salon “Zeit für Allemende”. Hier die Mitschnitte der Veranstaltung:

Silke Helfrich, Heinrich Boell Stiftung Einleitung und Zusammenfassung der vorangegangenen Salongespräche, Anmoderation

Antje Tönnis, GLS Treuhand: Impulsreferat: Wem gehört die biologisch-kulturelle Vielfalt?

Petra Buhr, Netzwerk Freies Wissen: Impulsreferat: Wem gehört das Wissen? Thesen zur Eigentumsfrage aus dem Wissensallmendereport 2008


Thesen zu Commons und Eigentum

Posted: March 3rd, 2009 | Author: | Filed under: Commons, Kapitalismuskritik, Podcast | Tags: , , | Comments Off

Am 19. Februar fand in Berlin der 5. Interdisziplinäre Politische Salon “Zeit für Allmende” der Heinrich-Böll-Stiftung statt. Rainer Kuhlen, Silke Helfrich, Christian Siefkes, Christiane Grefe haben für den 5. Interdisziplinären Politischen Salon „Zeit für Allmende” 6 Thesen zu Commons und Eigentum entwickelt. Eine spannende Debatte. Gefunden auf Keimform und dem Commonsblog

  1. Alle Eigentumsregelungen müssen dem Erhalt und der Erweiterung der Commons verpflichtet sein: Das Konzept der Commons (Gemeingüter) beginnt sich als umfassendes Organisations- und Gestaltungsprinzip in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft durchzusetzen. Dadurch wird der Begriff des Eigentums nicht überflüssig oder aufgelöst. Aber er wird grundlegend neu ausgerichtet.
  2. Alle gemeingütergerechten Eigentumsformen müssen eine bestimmte Qualität des Umgangs mit den Gemeinressourcen sichern. Gemeinressourcen sind natürliche, soziale und kulturelle Reichtümer, die wir ererbt oder kollektiv geschaffen haben. Commons (Gemeingüter) sind mehr als Gemeinressourcen. Sie sind charakterisiert durch eine besondere Form der Sozialbeziehungen und durch die Bindung zwischen den Ressourcen und den Menschen, die sie nutzen und sich um sie kümmern (den „commoners”). Lebensfähige Commons existieren als Raum sozialer Interaktion, der auf einer Ethik der Gegenseitigkeit, Kooperation, Freiheit und Verantwortung beruht.
  3. Unbeschränkte (Privat-)Eigentumsrechte sind aus Commons-Sicht weder naturrechtlich noch utilitaristisch begründbar. Eigentum ist immer sozial konstruiert. Jede Gesellschaft wird daher einen neuen (normativen) Diskurs über das Verständnis von Eigentum und Nutzungsrechten führen müssen. Dieser findet dann in den verschiedenen Regulierungsformen über Recht, Technik und (Markt-)Strukturen seinen konkreten Niederschlag.
  4. Weder private noch staatliche exklusive Kontrolle von sozialen, kulturellen oder natürlichen Ressourcen garantiert den Erhalt der Commons: Seit Jahrhunderten findet eine schleichende Erosion der Commons statt. Sie geschah und geschieht nicht nur durch klassische Privatisierungen, sondern auch durch Prozesse wie die systematische Ausweitung „geistiger Eigentumsrechte”, „technische enclosures” etwa mittels Digital-Rights-Management-Systeme (DRM), durch Chaos, Korruption oder die tatsächliche Übernutzung von zu Niemandsland gewordenen Commons. Auch „öffentliches Eigentum” liefert oft nur einen staatlichen Rahmen für die Kommerzialisierung und das Abschmelzen der Commons.
  5. Rechte an den Gemeinressourcen sind nie exklusive Eigentumsrechte, sondern stets gemeinsame Besitzrechte der Commoners und als solche prinzipiell beschränkt im Nutzungsrecht der anderen. Die Commoners müssen sich in die Lage versetzen, ihre Zugangs- und Nutzungsrechte wahrzunehmen und auszuüben. Dies kann in vielfältigen, dezentralen Eigentums- und Besitzformen geschehen, die dem Erhalt der Commons und damit dem Gemeinwohl verpflichtet sind. Die Inanspruchnahme dieser Nutzungsrechte muss sich an den Prinzipien der Nachhaltigkeit und Fairness orientieren, so dass alle fairen Zugang zu den Ressourcen erhalten und die Nutzungsmöglichkeiten in unverminderter Qualität erhalten bleiben.
  6. Durch private Besitznahme oder (vorübergehend notwendige) staatliche Kontrolle der Commons entstehen keine exklusiven Eigentumsrechte, sondern nur jeweils unterschiedlich definierte nicht-exklusive Nutzungsrechte. Jede private oder staatliche Aneignung darf weder zu einer Vernichtung oder massiven Beeinträchtigung der Commons führen, noch darf die Gemeinschaft aller unbillig von der Nutzen dessen, was ihnen als Commons zusteht, ausgeschlossen werden.

GEMA-Aktion: Johannes Kreidler veröffentlicht Gesamt-Dokumentation

Posted: March 2nd, 2009 | Author: | Filed under: Copyright, Medienaktivismus, Video | Tags: , , | Comments Off

Die GEMA-Aktion des Künstlers Johannes Kreidler war phantasievoll, spektakulär, und provozierend. Bei der Kunstaktion hatte der Künstler ein “samle” Musikstück mit 70200 Einzel-nachweisen für jedes darin verwendete Zitat bei der GEMA angemeldet:

Aktion mit Lastwagen, Papierkolonnen, Trägern und Presse am 12.09.2008 um 11 Uhr bei der GEMA Generaldirektion Berlin, Bayreuther Straße 37.

Die Aktion hat viel mediale Aufmerksamkeit erregt und eine breitere Öffentlichkeit auf den Problemzusammenhang “GEMA, geistiges Eigentum, Lizenzrecht, Copyright vs. Gemeingut” gelenkt. Jetzt hat Johannes Kreidler die Offizielle Gesamt-Dokumentation veröffentlicht.

Auf seiner Webseite zur GEMA-Aktion findet sich eine lange Liste von Pressereaktionen auf die Aktion. Hier gibt es eine schöne Fototrecke bei Flicker.

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Kulturflatrate: Kontrovers diskutiert

Posted: February 27th, 2009 | Author: | Filed under: Commons, Copyright, Digitalkultur | Tags: , , , , | Comments Off

Super spannendes und kontroverses Interview mit Volker Grasmuck zur Kulturflatrate im neuen: Netzpolitik-Podcast 075: Die Kulturflatrate

Der Netzpolitik-Podcast Folge 075 ist ein zweistündiges Gespräch mit dem Medienforscher Dr. Volker Grassmuck über die Kulturflatrate. Kaum ein Thema ist derzeit umstrittener als die Kulturflatrate. Die einen sehen es als die einzig machbare Alternative, um das Wettrüsten im Kampf um das Urheberrecht durch Risikotechnologien wie Netzfilter und DRM zu beenden und die Offenheit des Internets zu erhalten.- Für die anderen ist es eine Zwangsabgabe und/oder die Einführung des Kommunismus. Dabei gibt es viele Vorurteile und Missverständnisse, was die Kulturflatrate sein soll.

Lest und hört selbst: Netzpolitik-Podcast 075: Die Kulturflatrate


Berlin: Open everything II

Posted: February 12th, 2009 | Author: | Filed under: Commons, Digitalkultur, Termine | Tags: , , | Comments Off

Aufgrund der großen Resonanz nach dem openeverything camp im Dezember 2008 haben wir uns entschieden, in einer Veranstaltungsreihe einzelne Initiativen, die offene Modelle der Zusammenarbeit nutzen, ausführlich zu präsentieren. Ab dem 26. Februar findet openeverything focus jeden vierten Donnerstag im Monat statt. Besonders freuen wir uns, dass die Creative Commons Community mit im Boot ist und ab sofort der CC-Salon gemeinsam mit den openeverything events stattfindet.

Wo: newthinking store, Tucholskystr. 48, 10117 Berlin Mitte
Wann: Donnerstag, 26.02.09, 19:30 Uhr
Mit der Reihe wollen wir offen gebliebenen Fragen, Initiativen und Netzwerken eine stetige Live-Begegnungs-Plattform verschaffen. Eins unserer Ziele ist es, über die Grenzen der Veranstaltungen hinaus ein Bewusstsein für neue und parallele Denk-, Business-, Arbeits- und Gesellschaftsformen zu schaffen. Die Dokumentation der Veranstaltungen ist uns daher besonders wichtig. In den Treffen sollen Fachbereiche intensiv zusammengeführt und einzelne Projekte ausführlich vorgestellt werden. Auch Fragen zum begrifflichen und geschichtlichen Hintergrund erhalten Ihr eigenes Forum. Am 26. Februar möchten wir alle Interessierten zum Auftakt der Reihe in den newthinking store Berlin Mitte einladen. Auf dem Programm stehen eine von uns vorbereitete Ergebnis-Session zum Event im Dezember, ein Gastvortrag (aller Voraussicht nach zum Thema open knowledge) und die feierliche Fusion von CC-Salon und openeverything focus. Folgende Themen sind für die nächsten Treffen in Planung: Open Design, Open Education, Openworkspaces & Co-Working, Open vs. Commons, Open Business.